3
Verantwortung übernehmen

Maßnahmen auswählen und umsetzen

 NAP Kernelement 3

Im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) formuliert die Bundesregierung ihre Erwartungen an die Wirtschaft zur Achtung unternehmerischer Sorgfalt entlang der Wertschöpfungskette. Definiert in fünf Kernelementen:

  1. Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  2. Verfahren zur Ermittlung tatsächlicher und potenziell nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte
  3. Maßnahmen zur Abwendung potenziell negativer Auswirkungen und Überprüfung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen
  4. Berichterstattung
  5. Beschwerdemechanismus
Startpunkt
Startpunkt: Was brauche ich?
  • Nutzen Sie die Ergebnisse Ihrer Risikoanalyse als Grundlage, um bestehende Prozesse/Maßnahmen abzugleichen, einen Aktionsplan auszuarbeiten und risikobasierte Maßnahmen umzusetzen
3.1

Bestehende Prozesse/Maßnahmen abgleichen

Lesedauer ca. 5 min

In der Regel gibt es im Unternehmen schon erste Ansätze, um Nachhaltigkeitsrisiken zu managen. Dies können beispielsweise bestehende Umweltmanagementsysteme oder Schulungskonzepte für Lieferanten sein. Ermitteln Sie, auf welche Prozesse und Maßnahmen in Ihrem Unternehmen Sie das nachhaltige Lieferkettenmanagement aufsetzen und weiterentwickeln können.

Grundverständnis: Worauf sollte ich achten?

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Kolleginnen und Kollegen einbinden – was sollten Sie beachten?

Kolleginnen und Kollegen einzubinden ist in diesem Prozessschritt von großer Bedeutung – unter anderem, um festzustellen, ob es bereits angemessene Prozesse und Maßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung der ermittelten Risiken gibt (mehr Infos dazu siehe Prozessphase 2). Nutzen Sie die folgenden Leitfragen für diesen Arbeitsschritt:

  • Welche Maßnahmen sollten angegangenen werden, um die identifizierten Risiken zu managen?
  • In welchen Abteilungen gibt es bereits Prozesse und Maßnahmen, um die im vorigen Prozessschritt identifizierten menschenrechtliche und Umweltrisiken zu erfassen und zu adressieren?
  • Welche bestehenden Prozesse und Maßnahmen können konkret genutzt werden?
  • Gibt es Hinweise darauf, wie gut Prozesse und Maßnahmen funktionieren und wo sie möglicherweise Schwachstellen aufweisen?
  • Welche Maßnahmen sollten angegangenen werden, um die identifizierten Risiken zu managen?
  • Welche Risiken werden noch nicht durch Maßnahmen adressiert und abgedeckt?
  • Setzen Sie den Austausch mit Mitarbeitenden fort, den Sie bei der Risikoanalyse begonnen haben. So schaffen Sie ein Bewusstsein für den Prozesscharakter des Umweltmanagements oder des Managements von sozialer Verantwortung bzw. der Erfüllung angemessener Arbeitsbedingungen und sensibilisieren für die Zusammenhänge zwischen Risiken und Maßnahmen. Im Idealfall sind Mitarbeitende dann schon mit den identifizierten menschenrechtlichen und Umweltrisiken vertraut. Kommunizieren Sie daher die in der Prozessphase 2 erarbeitete Liste prioritärer menschenrechtlicher und Umweltrisiken.

Umsetzung: Wie gehe ich vor?

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Unternehmensbereiche und mögliche Anknüpfungspunkte

Beispielsweise wird sich die Personalabteilung bereits mit Arbeitnehmerrechten oder Zeit- und Leiharbeitern befassen, oder die Rechtsabteilung mit der Einhaltung von Unternehmenswerten. Der Einkauf steuert wahrscheinlich bereits den Umgang mit Lieferanten und arbeitet dabei ggf. mit Verhaltenskodizes und Lieferanten-Bewertungssystemen.

Überblick über ausgewählte Unternehmensbereiche und Nachhaltigkeitsthemen

Sie sollten alle Unternehmensbereiche erfassen, die (höchstwahrscheinlich) einbezogen werden müssen, um risikobezogene Maßnahmen umzusetzen. Auf dem Infoportal Menschenrechtliche Sorgfalt finden Sie eine Liste von Unternehmensbereichen und diesen zugeordneten Themen, die Sie für einen Abgleich nutzen können. Ergänzen Sie diese bei Bedarf.

Werten Sie gemeinsam mit den relevanten Unternehmensbereichen bestehende Prozesse und Maßnahmen aus
  • In der Regel erfolgt dies über die Auswertung von Dokumenten wie Unternehmensrichtlinien/-Leitbild, Verhaltenskodizes, Umfragen unter Mitarbeitenden, Lieferanten-Codes of Conduct, Auditergebnissen, Zertifikaten oder Managementsystem-Dokumentationen.
  • Um den Ist-Zustand sowie Lücken zu analysieren, sollten sie möglichst systematisch vorgehen. Eine Möglichkeit besteht darin, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter des jeweiligen Unternehmensbereichs zu erfassen, welche Nachhaltigkeitsthemen mit dem Bereich verbunden sind, welche Prozesse und Maßnahmen bereits existieren und genutzt werden (können), um menschenrechtliche und Umweltrisiken zu adressieren, und welche Lücken es gibt und welcher Handlungsbedarf sich daraus ergibt.
  • Dokumentieren Sie Ihre Ergebnisse. Sie bilden den Abschluss des ersten Arbeitsschrittes.
Systematische Analyse Ist-Zustandes und Lücken (Ausschnitt)
Unter­nehmens­bereich Nach­haltig­keits­thema Exis­tierende Maßnahmen Lücken Handlungs­bedarf
Einkauf (Lebens­mittel­händler) Arbeits­bedingungen auf Plantagen
  • Einkauf von zertifizierten Produkten/ Nutzung von Labens
  • Schulung der eigenen Mitarbeitenden
  • Verhaltens­kodex deckt das Thema „Arbeits­bedingungen“ nicht ab
  • Direktlieferant befasst sich nicht mit der Thematik
  • Überarbeitung des Verhaltenskodex
  • Schulung der Direktlieferanten
  • Teilnahme an Brancheninitiative
Personal­abteilung (Automobilzulieferer) Diskrimi­nierung von Frauen
  • Betriebsrat befasst sich mit Thematik
  • Verschriftlichung im Unternehmens-leitbild
  • Kein Beschwerde-mechanismus im eigenen Unternehmen
  • Direktlieferant bietet keine Schulungen zum Thema an
  • Umfrage unter eigenen Mitarbeitenden zu Fragen rund um Diskriminierung/ Chancengleichheit
  • Einrichtung eines Beschwerde-mechanismus
  • Schulung für Direktlieferanten
Quelle: basierend auf Informationen aus dem „Infoportal Menschenrechtliche Sorgfalt“ des Deutschen Global Compact Netzwerks, verfügbar unter: [https://www.mr-sorgfalt.de/de/getting-started/step-3-identify-existing-processes-and-steps/](https://www.mr-sorgfalt.de/de/getting-started/step-3-identify-existing-processes-and-steps/)

In der Regel ergibt sich aus den Lücken Handlungsbedarf sowohl für interne als auch externe Maßnahmen. Erfassen Sie auch Fälle, in den weitere Informationen eingeholt werden sollten (bspw. über interne Umfragen), um abschließend den Ist-Zustand bzw. die Lücke zu erfassen. Nicht in allen Fällen ergibt sich sofort ein klares Bild. Auch diese Aktivitäten sind wichtig auf dem Weg hin zu einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement.

3.2

Thema im Unternehmen verankern

Lesedauer ca. 5 min

Damit das nachhaltige Lieferkettenmanagement und die Befassung mit Sorgfaltsanforderungen zu Kernaktivitäten Ihres Unternehmens werden, sollten interne Verantwortungsbereiche klar bestimmt oder erweitert werden.

Geschäftsführung einbinden und Unternehmenskultur kommunizieren

Achten Sie bereits in diesem Arbeitsschritt darauf zu kommunizieren, dass die Anpassung bestehender Prozesse und Maßnahmen einen wichtigen Schritt darstellt, der verbindlich ist und Teil der (neuen) Unternehmenskultur ist. Sprechen Sie sich hierzu auch mit der Geschäftsführung ab bzw. binden Sie diese ein.

Grundverständnis: Worauf sollte ich achten?

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Vergleiche Phase 1, Schritt 3

Vertikale Verankerung – Aufsicht und Koordination

Die Aufsicht über die Umsetzung der menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfalt sollte bei der Geschäftsführung liegen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist es von Vorteil, wenn die Geschäftsführung das neue Thema wertebasiert kommunizieren kann.

Die Koordination kann bei einer Expertin oder einem Experten, einem Team oder einer Abteilung liegen. Dies kann insbesondere beim Einstieg in das Thema sinnvoll sein, sodass Ihre Mitarbeitenden nicht die Orientierung verlieren und klar definierte Aufgaben und Ziele durch eine zentrale Leitung kommuniziert bekommen.

Alternativ kann die Verantwortlichkeit ein abteilungsübergreifendes Team tragen, welches aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Abteilungen besteht, die einen Bezug zur Lieferkette haben. Insbesondere bei kleineren Unternehmen, die keine eigene Stelle für das Thema schaffen können, kann dieser Ansatz sinnvoll sein, da Verantwortlichkeiten geteilt werden.

Horizontale Verankerung – operative Umsetzung

Um eine wirksame Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfalt sicherzustellen, müssen die relevanten Unternehmensbereiche in den Umsetzungsprozess einbezogen werden, insbesondere hinsichtlich der Risikoanalyse und der Umsetzung von Maßnahmen. Die Umsetzung von Maßnahmen sollte auf die relevanten Abteilungen übertragen werden.

Die Einkaufsabteilung des Unternehmens bietet einen guten Startpunkt für die operative Umsetzung. Diese Abteilung nimmt in der Regel die Lieferantenbewertung und -auswahl vor.

Ihr Unternehmen sollte etablierte informelle Kommunikationskanäle nutzen, um das Thema zu verankern. Ebenso ermöglicht der direkte Kommunikationsweg, dass Mitarbeitende Herausforderungen bei der Umsetzung von Maßnahmen unmittelbar mitteilen können

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Umsetzung im Unternehmen ist die Motivation der Mitarbeitenden, z. B. über die Anpassung von Vergütungs- und Anreizsystemen.

Umsetzung: Wie gehe ich vor?

Ressourcen bereitstellen

Achten Sie darauf, dass für die koordinierenden Aufgaben und die operative Umsetzung ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen. Eine rein additive Lösung, bei der Mitarbeitende zusätzlich auch für das nachhaltige Lieferkettenmanagement zuständig sind, ohne dafür Ressourcen zu erhalten, ist zu vermeiden.

Anreize schaffen
  • Bestehende Vergütungs- und Anreizsysteme sollten erweitert werden und Nachhaltigkeitsaspekte beinhalten. Zudem sollten Sie sicherstellen, dass bestehende Systeme keine Anreize für Fehlverhalten liefern. Zum Beispiel, dass dem Beschaffungspersonal ein Bonus gezahlt wird, wenn Lieferanten enge Fristen einhalten, um Produkte schneller zu produzieren, dazu aber nur dann in der Lage sind, wenn der Lieferant seine Beschäftigten zu übermäßigen oder unbezahlten Überstunden verpflichten.
Mitarbeitende sensibilisieren und befähigen
  • Damit Ihre Mitarbeitenden Fachwissen zu lieferkettenbezogenen Nachhaltigkeitsthemen aufbauen und weiterentwickeln können, benötigen diese regelmäßige Schulungen. Wenn interne Ressourcen und Wissen verfügbar sind, lassen sich die Qualifikationen intern aufbauen und vermitteln. Bei stark fachspezifischen Aspekten – etwa rund um das Thema der menschenrechtlichen Sorgfaltsanforderungen – können externe Angebote hilfreich sein.
Externe Trainingsangebote

Eine Übersicht über Trainings und weitere Veranstaltungen zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte finden Sie hier.

Das Deutsche Global Compact Netzwerk bietet Seminare zu verschiedenen Themen rund um das nachhaltige Lieferkettenmanagement an. Eine Übersicht finden Sie hier.

Der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte bietet für Unternehmen und ihre Zulieferer individuelle, kostenlose Menschenrechtstrainings sowie Unterstützung bei der Umsetzung eigener Trainings. Weitere Infos dazu finden Sie hier.

Kontaktieren Sie auch Industrie- und Handelskammern in Ihrer Region und fragen Sie nach Trainingsangeboten.

Mit Zielkonflikten und Dilemmas umgehen

Werden Vorgaben für unternehmerische Sorgfaltsprozesse in die übergeordneten Unternehmensziele integriert, können Konflikte mit bereits etablierten Zielen entstehen. Dies gilt insbesondere im Einkauf bei der Berücksichtigung des Kriteriums „Nachhaltigkeit“, das mit den klassischen Kriterien „Preis“, „Lieferzeit“ und „Qualität“ in Konflikt geraten kann. Zum Beispiel, wenn nachhaltig gefertigte Stoffe nicht in ausreichender Menge oder Güte zur Verfügung stehen oder der Einkaufspreis höher liegt.

Es gibt keine vorgegebene Lösung, wie man diese oder andere Zielkonflikte und Dilemmata umgeht. Eine Möglichkeit, um zu Lösungen zu gelangen, besteht darin, geordnete Verfahren zu etablieren. Beispielsweise kann ein Komitee bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Unternehmensbereiche eingerichtet werden, in dem Zielkonflikte geordnet und offen diskutiert werden können. Das Komitee kann auch dafür genutzt sein, Dilemma-Situationen und den möglichen Umgang damit zu verschriftlichen und Mitarbeitenden (bspw. über das Intranet) zugänglich zu machen, damit diese als Handreichung und Muster in ähnlich gelagerten Fällen angewendet werden können.

Praxistipps, u. a. zur Sensibilisierung der Einkaufsabteilung für das nachhaltige Lieferkettenmanagement, finden Sie in der Broschüre „Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Praxis“, welche im Rahmen einer Förderung vom Bundesumweltministerium erstellt wurde.

3.3

Risikobasierte Maßnahmen erarbeiten

Lesedauer ca. 5 min

Bevor konkrete Maßnahmen entwickelt werden, ist es hilfreich, sich mit der Verbindung Ihres Unternehmens zu (potenziellen) Nachhaltigkeitsauswirkung befassen. Denn diese Verbindung bestimmt die Verantwortung des Unternehmens und seine Handlungsmöglichkeiten. Insbesondere in Bezug auf menschenrechtliche Sorgfaltsanforderungen ist diese Verknüpfung wichtig.

Grundverständnis: Worauf sollte ich achten?

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Die unternehmerische Verantwortung erfordert, dass Ihr Unternehmen die wichtigsten potenziellen und tatsächlichen negativen Nachhaltigkeitsauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette identifiziert und mindert. Basierend auf der Risikoanalyse sollte Ihr Unternehmen eigene Maßnahmen entwickeln oder seine Hebelwirkung dazu nutzen, um potenzielle Menschenrechtsauswirkungen zu vermeiden und tatsächliche Auswirkungen im Rahmen von Wiedergutmachungsmechanismen (Prozessphase 5) abzumildern.

Potenzielle Auswirkungen: Bei Maßnahmen zur Vermeidung potenzieller negativer Auswirkung geht es um ein vorausschauendes Handeln mit dem Ziel, dass eine negative Auswirkung gar nicht erst eintritt. Eigene Mitarbeitende oder jene von Lieferanten im Rahmen von Schulungen zu befähigen oder Nachhaltigkeitskriterien im Einkauf gegenüber den Beschaffungskriterien Preis, Lieferzeit und Qualität zu stärken, können geeignete Maßnahmen sein.

Tatsächliche Auswirkungen: Finden Sie heraus, dass Ihr Unternehmen an den eigenen Standorten, über die eigenen Geschäftsbeziehungen Menschenrechte der Mitarbeitenden Ihrer Lieferanten oder anderer Personengruppen verletzt hat oder dazu beigetragen hat, geht es darum, diese Negativauswirkungen zeitnah und effektiv zu beseitigen oder abzumindern. Darüber hinaus geht es aber auch um die Frage der Wiedergutmachung gegenüber Betroffenen. Weitere Informationen zur Wiedergutmachung werden in Prozessphase 5 thematisiert.

Eigene Maßnahmen durchführen und Hebelwirkung nutzen: Je nach Bezug zur negativen Auswirkung (eigene Verursachung und Beitrag dazu durch eigene Aktivitäten, siehe Tabelle unten) kann es in erster Linie um die Anpassung der eigenen Geschäftspraktiken gehen oder darum, die Hebelwirkung zu nutzen, um die Praktiken eines Dritten zu ändern (Beitrag und Verbindung, siehe Tabelle unten).

Die Zuordnung von Nachhaltigkeitsauswirkungen zu Ihrer Geschäftstätigkeit hilft Ihnen, Maßnahmen zu entwickeln, die sich auf die von Ihnen ermittelten menschenrechtlichen und Umweltrisiken beziehen und damit zielgerichtet und angemessen sind. Es geht bei der Analyse der Verbindung nicht um eine Schuldzuweisung Ihres Unternehmens! Vielmehr hilft Ihnen die Analyse dabei, die identifizierten Menschenrechts- und Umweltrisiken den unterschiedlichen Stufen Ihrer Wertschöpfungskette zuzuordnen, was wiederum Ihren Handlungsrahmen bzw. Ihre Einflussmöglichkeiten bestimmt.

Verursachen von nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen

Generell verursacht ein Unternehmen eine nachteilige Auswirkung, wenn seine eigenen Aktivitäten allein ausreichend sind, um die Auswirkung hervorzurufen.

Das Unternehmen hält sich nicht an Sicherheitsvorkehrungen in seinen eigenen Fabriken, weshalb sich Arbeitende lebensgefährlich an Maschinen verletzen Das Unternehmen diskriminiert Frauen in seiner eigenen Personalpolitik. Das Unternehmen hält an einem seiner Produktionsstandorte Grenzwerte für Trinkwasser nicht ein. Dadurch wird Trinkwasser verunreinigt und für die anliegenden Gemeinden der Zugang zu sauberem Trinkwasser eingeschränkt.

Das Unternehmen stellt die Aktivitäten ein oder vermeidet jene, welche die nachteilige Auswirkung verursachen.

Das Unternehmen leistet Wiedergutmachung.

Beitrag zu nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen

Ein Unternehmen trägt zu einer nachteiligen Auswirkung bei, wenn die Aktivitäten des Unternehmens dazu führen, dass Dritte negative Auswirkungen verursachen oder es mit seinen Aktivitäten dazu beiträgt, dass negative Auswirkungen auftreten.

Das Unternehmen verändert wiederholt Produktanforderungen für Lieferanten, ohne Produktionstermine und die Vergütung anzupassen. Der Lieferant sieht sich gedrängt, gegen Arbeitsverträge und -standards zu verstoßen, um die Anforderungen zu erfüllen. Mehrere Zulieferbetriebe des eigenen Unternehmens in einem Gebiet leiten schädliche Abwässer in einen Fluss ein. Jede Freisetzung liegt unter dem gesetzlichen Grenzwert, aber zusammen führen sie dazu, dass das Wasser so verschmutzt wird, dass anliegende Gemeinden dieses nicht mehr nutzen können.

Das Unternehmen nutzt seinen Einfluss auf andere, um zu versuchen, die negativen Auswirkungen zu begrenzen oder zu vermeiden Das Unternehmen sollte Schritte unternehmen, um die Wiedergutmachung aller tatsächlich eingetretenen Auswirkungen zu gewährleisten.

Verbindung mit nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen

Ein Unternehmen ist über eine Geschäftsbeziehung mit negativen Auswirkungen verbunden. Die Verbindung ergibt sich nicht über eine vertragliche Beziehung mit einem anderen Unternehmen, sondern über die Geschäftstätigkeit, die Produkte oder Dienstleistung des Unternehmens. Das heißt, die Geschäftsbeziehung besteht in diesem Sinne auch zu Unternehmen in der tieferen Lieferkette.

Das Unternehmen stellt Finanzkredite für ein internationales Unternehmen bereit, welches mit einem Infrastrukturprojekt die Vertreibung der indigenen Bevölkerung in einem Gebiet verursacht. Exportierte landwirtschaftliche Maschinen werden von Kindern bedient. Dies führt zu gravierenden Verletzungen von Kinderrechten. Das Unternehmen stellt Elektronik-Produkte her. In der tieferen Lieferkette wird beim Abbau der verarbeiteten Mineralien der Arbeitsschutz nicht ausreichend gewährt.

Das Unternehmen bemüht sich über seinen Einfluss darum zu verhindern, dass die negativen Auswirkungen sich fortsetzen oder wiederholen. Das Unternehmen ist nach den VN-Leitprinzipien nicht dafür verantwortlich, den Schaden zu beheben – gleichwohl kann es sich aus anderen Gründen dafür entscheiden.

Umsetzung: Wie gehe ich vor?

Greifen Sie in einem ersten Schritt die Ergebnisse Ihrer Risikoanalyse auf

Erfassen Sie, welche Risiken Sie mit hoher Relevanz priorisiert haben. Prüfen Sie, welche negativen Auswirkungen auf Betroffene oder die Umwelt bei einer verzögerten Gegenmaßnahme dazu führt, dass der Schaden nicht wiedergutzumachen ist. Konzentrieren Sie sich zu Beginn Ihrer Auseinandersetzung mit menschenrechtlichen und Umweltrisiken in der Lieferkette auf diese – bedenken Sie aber gleichzeitig, dass Sie sich im Laufe der Zeit auch menschenrechtliche und Umweltrisiken widmen, die Sie niedriger priorisiert haben.

Schauen Sie nach „quick wins“

Prüfen Sie, welche (priorisierten) negativen Auswirkungen sich schnell und mit wenig Aufwand beheben lassen.

Ermitteln Sie abschließend, welche Verbindung Ihr Unternehmen zu den negativen Auswirkungen hat

Nutzen Sie dafür die Tabelle oben. Dies hilft Ihnen, im nächsten Arbeitsschritt geeignete Maßnahmen zu erarbeiten und einen Aktionsplan zu entwickeln.

Mit Zielkonflikten und Dilemmas umgehen

Die Verbindung Ihres Unternehmens zu Nachhaltigkeitsauswirkungen einzuordnen sollten Sie pragmatisch angehen. In der Praxis lassen sich die verschiedenen Formen oftmals nicht streng voneinander abgrenzen, sondern gehen ineinander über. Wichtiger als die Einordnung ist, dass Sie sich auf den Weg machen und Maßnahmen umsetzen, die die Situation für (potenziell) Betroffene und die Umwelt verbessert. Beispiele, die bei der Einordnung helfen, finden Sie in der englischsprachigen Human Rights Impact Assessment Guidance and Toolbox (Phase 3) des Danish Institute of Human Rights.

3.4

Aktionsplan erstellen

Lesedauer ca. 5 min

Nachdem Sie die Verbindung Ihres Unternehmens zu negativen Auswirkungen ermittelt haben, geht es darum, festzulegen, mithilfe welcher Maßnahmen das Unternehmen seine Geschäftsaktivitäten und die Lieferkette aus Nachhaltigkeitssicht optimieren kann.

Grundverständnis: Worauf sollte ich achten?

Direkt zur Umsetzung gehen

Es gibt eine Vielzahl möglicher Maßnahmen, die Ihr Unternehmen durchführen kann. In der Regel entfaltet erst die Kombination mehrerer Maßnahmen über einen längeren Zeitverlauf eine große Wirkung. Die folgenden Fragen können helfen, erste grundlegende Entscheidungen zu treffen:

  • Welche Wertschöpfungsstufe bzw. welche Akteure sollen adressiert werden? Betrifft es Regelungen und Strukturen im eigene Unternehmen, Ihre Produkte oder Dienstleistungen, Ihre Investitionstätigkeiten, oder direkte oder indirekte Lieferanten?
  • Welche Maßnahmen adressieren die (potenziellen) negativen Auswirkungen wirksam? Geht es beispielsweise um die Anpassung von Prozessen, die Befähigung und Sensibilisierung von Mitarbeitenden oder andere Personen, den Dialog mit (potenziell) Betroffenen, die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen oder die strukturelle Veränderung der Wertschöpfungskette?
Ideen für Maßnahmen

Bei der Entwicklung von Maßnahmen ist es sinnvoll, den Kontakt zu Branchenverbänden, Sektor- und Multi-Stakeholder-Initiativen und anderen relevanten Netzwerken zu suchen. Nutzen Sie den Austausch mit anderen Unternehmen, Verbandsvertreterinnen und -vertretern und Zivilgesellschaften, um praktische Tipps für die Umsetzung von Maßnahmen zu erhalten. Sozial- und Umweltsiegel, die generell als Nachweis für Nachhaltigkeit dienen, können ferner als Maßnahmen verstanden werden. Nähere Informationen dazu finden Sie im „Kompass Nachhaltigkeit.“

In den Publikationen „5 Schritte zum Management der menschenrechtlichen Auswirkungen Ihres Unternehmens“ (Seite 33 ff.) und „Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Praxis“ (Seite 11 ff.) finden Sie Beispiele für Maßnahmen.

Schauen Sie ebenfalls in Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen. In vielen Fällen finden Sie dort Beispiele für konkrete Maßnahmen. Das „Ranking der Nachhaltigkeitsberichte“ vom IÖW und future kann Ihnen dabei behilflich sein.

Weitere Informationen zur Hebelwirkung finden Sie im englischsprachigen Leitfaden „Doing Business with Respect for Human Rights“.

Umsetzung: Wie gehe ich vor?

Verschaffen Sie sich einen Überblick über mögliche Maßnahmen
  • Legen Sie fest, mit welchen Maßnahmen Sie starten möchten. Für den Einstieg können zwei Richtungen sinnvoll sein:
  • Maßnahmen in Ihrem Unternehmen zur Befähigung und Sensibilisierung von Mitarbeitenden: Insbesondere wenn Sie aus einem kleineren Unternehmen mit einer eher informellen Kultur kommen, ist es legitim, für erste Maßnahmen nach innen zu schauen und auf Ihr eigenes Unternehmen und die Mitarbeitenden zu fokussieren. Unter anderem, um Gewohnheiten, die mehr Nachhaltigkeit entgegenstehen („Das haben wir schon immer so gemacht“), zu hinterfragen. Prüfen Sie daher zunächst, ob Schulungen für Mitarbeitende angebracht sind, mit denen Sie das Thema überhaupt erst einmal in das Unternehmen tragen und ein Bewusstsein dafür schaffen. Oder, ob Sie erst einmal die Informationslage für das Thema verbessern wollen und ein Medien-Monitoring aufsetzen, um sich vorerst zu überlegen, welche Informationen für Sie speziell relevant sind und wie Sie das Thema am besten an Ihre Mitarbeitenden vermitteln bzw. diese darin schulen. Beziehen Sie sich dabei auf die Ergebnisse der IST-Analyse im ersten Arbeitsschritt dieser Prozessphase.
  • Maßnahmen zur Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zur Stärkung Ihrer Hebelkraft: Es ist zudem sinnvoll, nach Partnern außerhalb Ihres Unternehmens zu suchen. Gerade als kleineres Unternehmen werden Sie sich oftmals in einer Situation wiederfinden, in der Ihre Hebelwirkung begrenzt ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Ihr Unternehmen nur einen begrenzten Anteil am Gesamtumsatz Ihres Lieferanten ausmacht, Sie in Geschäftsbeziehungen mit größeren Unternehmen stehen oder sich mit Situationen in der tieferen Lieferkette konfrontiert sehen, die strukturelle Änderungen erfordern.
Erstellen Sie in einem zweiten Schritt einen Aktionsplan
  • Der Plan kann z. B. folgende Elemente umfassen:
    • Maßnahmen-Art
    • Ziel
    • Vorgesehener Zeitaufwand
    • Beschreibung der Maßnahme
    • Zuständige Abteilung
    • Budget (sofern relevant)
    • Umsetzungsfrist
Entwicklung eines Aktionsplans

In der Publikation „5 Schritte zum Management der menschenrechtlichen Auswirkungen Ihres Unternehmens“ finden Sie den beispielhaften Entwurf eines Aktionsplans (Seite 36).

Im Starter-Kit der Arbeitshilfen „Nachhaltige Lieferkette“ finden Sie eine Vorlage für einen Aktionsplan.

3.5

Lieferanten überprüfen und Kompetenzen aufbauen

Lesedauer ca. 5 min

Für den Erfolg von Maßnahmen ist es entscheidend, dass ihre Effektivität überprüft wird. Die Wirkungsmessung ist ein wichtiges Element in dieser Prozessphase und für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess Ihres Umwelt- und Sozialmanagements. Fragen Sie sich also für jede Maßnahme: Was wurde durch diese Maßnahme erreicht?

Grundverständnis: Worauf sollte ich achten?

Direkt zur Umsetzung gehen

Die Wirksamkeitsmessung ist ein zentrales Element der unternehmerischen Sorgfalt. In der Regel sollten bereits relevante Daten vorliegen, beispielsweise zu internen Schulungen oder Lieferanten-Audits. Grundsätzlich gibt es drei Informations-Typen für die Wirkungsmessung:

Typ Beschreibung Beispiele Messung
Prozesse Prozesse des nachhaltigen Lieferkettenmanagements Andere Unternehmensprozesse (u. a. Einkauf, Personal) Beschreibung der Risikoanalyse Beschreibung von Audit-Prozessen für Lieferanten Interne Schulungspläne Prozessbeschreibungen Anzahl von Veranstaltungen (z.B. Schulungen von Mitarbeitenden, Webinare o. Konferenzen zu Menschenrechts- und Umweltthemen)
Vorfälle u. a. Ergebnisse der Auswertung des Beschwerdemechanismus Vorfälle von Menschen- oder Umweltrechtsverletzungen (z. B. Missachtung von Vorschriften zur Entsorgung oder fehlende Sicherheitsstandards in einer Produktionsstätte) Anzahl von Vorfällen Anzahl der Beschwerden, die zur Zufriedenheit der Beschwerdeführenden gelöst wurden
Wirkung Langfristige und systematische Folgen von Unternehmensaktivitäten Gesundheits- und Umweltzustand anliegender Gemeinden Nicht-existenzsichernde Löhne Ergebnisse von Wirkungsanalysen Lang-Zeit-Indikatoren zum Umwelt- und Gesundheitszustand (von staatlichen Einrichtungen)
Quelle: Basierend auf dem Leitfaden [„Doing Business with Respect for Human Rights“ (S. 79)](https://shiftproject.org/resource/doing-business-with-respect-for-human-rights/).

In der Regel ist es einfacher, Output-Indikatoren zu erstellen, die beispielsweise die Anzahl durchgeführter Schulungen oder den Anteil der Lieferantenverträge, die menschenrechtliche Kriterien beinhalten, erfassen. Grundsätzlich ist es jedoch sinnvoll, nicht nur zu überlegen, was „einfach“ zu messen ist, sondern auch zu berücksichtigen, welche qualitativen Daten für Ihr Unternehmen relevant sind. Um z.B. Wirkungen zu erfassen, ist es sinnvoll, Fallstudien durchzuführen. Fallstudien ermöglichen Ihnen, sich einen genauen Überblick über eine Situation, eine risikobehaftete Region, oder über das Wirkungspotential Ihrer Maßnahmen zu verschaffen.

Umsetzung: Wie gehe ich vor?

Entwickeln Sie ein Verfahren, mit dem Sie die Umsetzung und Wirkung von Maßnahmen erfassen können
  • Erfassen Sie dafür in einem ersten Schritt, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und erfassen Sie unter anderem, wie viel Zeit erforderlich war und wer diese Maßnahme federführend umgesetzt hat.
dentifizieren Sie in einem zweiten Schritt Indikatoren, die geeignet sind, die Effektivität von Maßnahmen zu ermitteln
  • Sie sollten verschiedene Informationsquellen heranziehen, auch weil es nicht immer möglich sein wird, quantitative Daten zu ermitteln
    • Informationen aus dem Beschwerde- und Wiedergutmachungsmechanismus (siehe Prozessphase 5
    • Umfragen unter Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und ggf. weiteren potenziell Betroffenen
    • Interne Auditprozesse
    • Länderberichte (sofern Ihr Unternehmen international agiert)
Sammeln Sie in Daten
  • In der Regel sollten bereits relevante Daten vorliegen, beispielsweise zu internen Schulungen oder Lieferanten-Audits.
  • Passen Sie in einem abschließenden Schritt je nach Ergebnis der Wirkungsmessung Maßnahmen an. Dies kann beispielsweise beinhalten, dass Sie die Risikoanalyse anpassen oder Schulungskonzepte überarbeiten.

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